Ostfriesland tut gut und das ganz besonders im Holtriemer Land.

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Geschichte

Namentlich wird das alte Siedlungsgebiet Holtriem erstmals 1589 in der Ostfriesland-Karte des David Fabricius als "Holtrum" erwähnt. Die einzelnen Gemeinden sind aber meist wesentlich älter. Zeugen des Siedlungsgebietes sind z. B. die beiden mittelalterlichen Kirchen in Ochtersum und Westerholt. Aber auch der sagenumwobene Barkholter Berg, der Utarper Börg, am Schleitief gelegen, das ehemalige Kloster Terheide, die frühere Herrenmühle in Utarp, eine der seltenen Zwangmühlen des Harlingerlandes, sowie verschiedene prähistorische Funde wie die Goldschalen von Terheide aus der Bronzezeit und der in Schweindorf gefundene Runensolidus aus der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. beweisen eine frühe Besiedlung des Holtriemer Raumes.

Saale-Eiszeit/Frühe Steinzeit
Nach der Saale-Eiszeit (ca. 234.000 bis 185.000 v. Chr.) bildeten sich die riesigen Eismassen und Gletscher, die auch Ostfriesland vollständig bedeckt hatten, langsam zurück. Die ersten Bewohner des "neuen Landes" waren hochspezialisierte Jäger, die großen Rentierherden nachstellten. Ihre Lebensweise war durch die starke Anpassung an die Rentiere geprägt. Während der Jagdzeit mussten wegen der unumgänglichen Mobilität die persönlichen Dinge dieser Nomaden auf das Nötigste beschränkt werden. Dafür lieferte das Rentier seinen Jägern vieles, was er benötigte, nämlich Nahrung und Felle für Kleidung und Zelte. Außerdem eigneten sich die Geweihe und Knochen der Tiere für die Herstellung von Geräten für Jagd und Haushalt.

Wie Funde von Speerspitzen, Zinken und Klingenkratzern aus Feuerstein in Ochtersum und Nenndorf belegen, lebten diese Rentierjäger auch in der Nähe des heutigen Eversmeers.
Das Abschmelzen der Gletschermassen nach der Eiszeit brachte es jedoch auch mit sich, dass der Wasserstand der Nordsee stetig stieg. Schließlich überschlickte die Nordsee große Landflächen und machte eine Besiedlung in weiten Landesteilen unmöglich.

Die Gletscher hatten jedoch unterschiedlich geformte Landschaften zurückgelassen. So blieb die höher gelegene Oldenburgisch-Ostfriesische Geestplatte überflutungsfrei und wurde beliebtes Siedlungsgebiet. Diese Geestplatte wurde von tiefen Entwässerungsrinnen begrenzt, die im Laufe der Jahrhunderte mit Schlick überdeckt wurden. Auf dem Geestrücken breitete sich Wald aus, der Mensch und Tier bessere Entwicklungschancen bot.


Mittlere Steinzeit
Wie der Fund eines Steingrabes in Utarp und der eines Mikroliten in Terheide bei Westerholt zeigen, war dieser hohe Geestbereich auch in der mittleren Steinzeit zwischen ca. 20.000 bis 4.000 v. Chr. stark besiedelt. Ein bemerkenswertes Relikt aus dieser Zeit stellt ein in Westerholt gefundenes Kernbeil dar: ein etwas mehr als handgroßes und sich nur leicht nach oben verjüngendes Gerät, mit dem das jeweilige Werkstück grob zurechtgehauen werden konnte. Zu dieser Zeit entstand auch der bereits erwähnte ältere Hochmoortorf im Moor am Ewigen Meer. Pollenanalysen sind in der Lage, diese Zeitbestimmung festzulegen.

Jungsteinzeit
Die Jungsteinzeit zwischen 4.000 und 2.000 v. Chr. brachte den Wandel von der Gemeinschaft der Jäger und Sammler hin zur produzierenden Wirtschaftsweise im Rahmen einer bäuerlichen Gesellschaft. Nach Möglichkeit siedelten die Menschen in kleinen Gemeinschaften, bauten erstmals Nutzpflanzen an und hielten sich Haustiere und Vieh.
Auf der Geest rodeten die Menschen Wälder, um neues Siedlungsgelände zu finden. In Utarp wurde ein Großsteingrab angelegt, um mehrere Tote bestatten zu können. Die technischen Gerätschaften wurden um Tongefäße sowie geschliffene und durchbohrte Steingeräte erweitert. Ebenfalls neu waren sogenannte Trichterbecher, die zum prägenden Merkmal dieser Zeit wurden (Trichterbecherkultur).

Diese Tongefäße sind Becher mit einem Trichterhals, deren Verzierungen durch tief eingestochene Muster ihnen auch den Namen Tiefstichkeramik brachten. Zutage gefördert wurden einige bemerkenswerte Funde aus dieser Zeit im Bereich des heutigen Gewerbegebietes in Terheide/Westerholt.
In der Jungsteinzeit entdeckten die Siedler auch den Torf aus dem Moor als Brennstoff. Gleichfalls starteten sie erste Versuche, das Hochmoor zu überqueren. Dieses Unterfangen gestaltete sich jedoch wegen der tückischen Wasser- und Sumpflöcher als äußerst schwierig und oftmals tödlich, wie die zahlreichen Funde von Moorleichen belegen. Zur Lösung dieses Problems legten dann die Steinzeitmenschen wohl aus der Not heraus erste Straßen an: Eine davon konnte 1984 südlich des Ewigen Meeres bei einer umfangreichen Grabung des Staatlichen Museums für Naturkunde und Naturgeschichte in Oldenburg freigelegt werden und erregte internationale Aufmerksamkeit. Dieser sogenannte Bohlenweg - eine überregionale Straße der Steinzeit - war nach Meinung der Wissenschaftler Teil eines größeren Verkehrsnetzes in Richtung Küste.

Bronzezeit
Der Übergang von der Jungsteinzeit in die etwa ein Jahrtausend währende Bronzezeit (ca. 2.000 bis 1.000 v. Chr.) vollzog sich nahezu unmerklich. Zum dominierenden Werkstoff Feuerstein trat Bronze hinzu. Bronze stellte einen unvergänglichen Wert dar, denn beispielsweise eine zerbrochene Steinaxt war wertlos, eine aus Bronze jedoch ließ sich wieder umschmelzen.

In Westerholt wurden ost-west-gerichtete Pfostengruben entdeckt, die auf einen Grabhügel der Bronzezeit hinweisen, überregionale Bedeutung erlangte im Jahr 1872 ein Bronzefund ebenfalls in Westerholt: Die sogenannten "Goldschalen von Terheide" wurden damals beim Straßenbau gefunden und befinden sich heute im Landesmuseum in Hannover.

Während der Bronzezeit entstand auch die Grenztorfschicht des Eversmeerer Hochmoores.
Die Siedler der Geest drangen in dieser Zeit vermehrt bis an die Randbereiche ihrer Landschaft vor, teilweise überschritten sie sie bereits in Richtung Marsch oder auf die südlich gelegenen Heideflächen. Funde aus dieser Zeit, vor allem immer wieder Grabhügel, belegen die erste Besiedlung des Nenndorfer Feldes.

Eisenzeit
Während der Eisenzeit, dem Zeitraum zwischen 1.000 v. Chr. und der Zeitenwende, lernen die Menschen, aus Rasensteinerz und Eisenerz Eisen zu schmelzen. Die Siedler der Geest nahmen vermehrt sichere Marschgebiete in Besitz und breiteten sich bis an den Rand des Hochmoores aus. In dieser Zeit entstand der jüngere Hochmoortorf.

Römische Kaiserzeit
Mit der sogenannten Römischen Kaiserzeit beginnt die Frühgeschichte - aus dieser Zeit liegen erstmals schriftliche Überlieferungen vor. Römische Truppen drangen auf ihrem Weg nach Norden bis nach Ostfriesland vor, wie auch Berichte des Geschichtsschreibers Plinius über das friesische Moor zeigen. Plinius beschrieb in seinen Reiseberichten Land und Leute des damaligen Germaniens und lieferte auch eine Erklärung für den Fund der Bernuthsfelder Moorleiche 1907 zwischen Eversmeer und Tannenhausen, die zeitlich in die ersten 500 Jahre n. Chr. eingeordnet wird. Eigentlich wurden Tote in dieser Zeit verbrannt oder bestattet, nicht aber im Moor versenkt.

Plinius hatte jedoch folgendes beobachtet: "Feige, Fahnenflüchtige und Schandkerle werden bestraft, indem man den Schuldigen mit übergeworfenem Flechtwerk in Morast und Sumpf versenkt." Diese Moorleichen geben im übrigen heute ein vortreffliches Bild der damaligen Kleidung und Hinweise auf die alt-germanischen Rechts- und Glaubensvorstellungen.
Im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt stieg der Meeresspiegel der Nordsee erneut an, was zu einem gravierenden Siedlungsrückgang auf der ostfriesischen Halbinsel führte. Diejenigen, die unbedingt in der Marsch bleiben wollten, legten Wurten und Warften an, um dort zu wohnen. Dieses risikobehaftete Wohnen endete nicht selten mit dem Ertrinken der gesamten Familie in den Fluten der Nordsee.

Mittelalter
Der Anstieg des Meeresspiegels endete erst im Mittelalter, wodurch eine Rückkehr der ins Binnenland verdrängten Menschen möglich wurde. Um die neu entstandenen Siedlungen zu sichern, begannen die Menschen in einer großen Gemeinschaftsleistung damit, Deiche zu bauen. Innerhalb der älteren Siedlungen auf der Geest bildeten sich in dieser Zeit Häuptlingsherrschaften, symbolisiert durch Steinhäuser oder Burgen. Die Häuptlinge boten ihren als Untertanen bezeichneten Nachbarn Schutz, verlangten dafür im Gegenzug aber die Leistung von Arbeit und Abgaben. Durch Heirat oder Krieg versuchten sie, ihren Besitz zu vergrößern.

Um die Vorherrschaft in Ostfriesland heirateten und kämpften vornehmlich die Familien der tom Brok, Kankena, Omken, Ukena, Attena und Cirksena, wobei nach zahlreichen Schlachten und Intrigen die Familie der Cirksena die mächtigste wurde. Sie brachten auch das Harlingerland in ihren Machtbereich und wurden im Laufe der Zeit Herrscher über ganz Ostfriesland. Im Jahre 1454 wurde Ulrich Cirksena zum Reichsgrafen erhoben, das Harlingerland übergab er seinem Neffen Sibo Attena als Lehen.
Die Cirksena, Grafen von Ostfriesland, blieben bis 1744 Herrscher über Ostfriesland und damit auch über das Harlingerland. Erst nach dem Tod des letzten Cirksena, Karl-Edzard, fiel das Harlingerland 1744 zusammen mit dem übrigen Ostfriesland an das Königreich Preußen.
Die starke Zuwanderung der Friesen aus dem Westen im frühen Mittelalter führte zur Aufsiedlung auch des Holtriems. Damit begann die Geschichte der heutigen Siedlung entlang der Altstraße auf dem Sandstrich. Angesichts des ursprünglich auf "-hem", das ist "-heim" endenden Ortsnamen von Ochtersum dürfte es sich hier um die älteste Siedlung handeln. Eine andere zusammenhängende Gruppe von Siedlungen sind durch die Benennung mit "-dorf" gekennzeichnet: Schweindorf, Utarp und Narp wie auch Nenndorf. Diese Namensgebung weist auf das frühere bis hohe Mittelalter als Entstehungszeit hin.

Die weitere Erschließung dieses Raumes in die Heide- und Hochmoorflächen hinein erfolgte dann im späten Mittelalter durch die Klöster: von Westerholt ausgehend durch das Kloster Terheide und für den Bereich Blomberg/Neuschoo durch das Kloster Schoo. Nach der Übernahme Ostfrieslands durch Preußen und dem Erlass des Urbarmachungsediktes von 1765 erfolgte dann eine geordnete Erschließung der Niederungs- und Hochmoorflächen; es entstanden die Siedlungen Eversmeer, Neuschoo und Blomberg.
Die frühesten Schriftzeugnisse betreffen die Kirchenorte Ochtersum und Westerholt. So wird der Ort Ochtersum erstmals 1237 urkundlich erwähnt; die früheste schriftliche Bezeugung Westerholts stammt aus dem Jahre 1420, wo die Kirche des Dorfes der Sendkirche zu Ochtersum zugehörig bezeichnet wird.
Der Kirchort Westochtersum war Hauptort des Sendsprengels Ochtersum, eines geistlichen Gerichtsbezirkes, der die Kirchspiele Ochtersum, Westerholt, Dornum, Westeraccum und Roggenstede umfasste; seine Kirche war eine Sendkirche, der die übrigen Kirchen unterstanden.

Die Sendgerichtsbarkeit übte der Bremer Domscholaster als Archidiakon aus. Im 16./17. Jahrhundert zählte das Kirchspiel Ochtersum mit den Siedlungen Schweindorf, Narp, Utarp, Westochtersum, Ostochtersum und Barkholt 57 Bauernplätze und 24 Warftstellen. Die Siedlungsstruktur mit den inzwischen säkularisierten Klöstern Terheide und Schoo bot im großen und ganzen noch das Bild des Mittelalters. Das änderte sich erst im 18./19. Jahrhundert, als der bisherige Siedlungsraum des Holtriem durch die Kolonisierung des Hochmoors nach Süden erweitert wurde. Erst um 1840 begannen Verhandlungen, die Hochmoorkolonien Eversmeer, Neuschoo und Blomberg zu trennen. Ab 1.5.1849 bildeten Eversmeer, Neuschoo und Blomberg dann selbständige Ortsvorsteherbezirke. Im Harlingerland, das sich am Ende des Mittelalters verselbständigt hatte und 1600 mit der Reichsgrafschaft Ostfriesland vereinigt wurde, bildete das Kirchspiel Ochtersum zusammen mit denen von Roggenstede und Westerholt die Holtriemer Vogtei des Amtes Esens.

Das blieb auch so, als Ostfriesland 1744 preußisch wurde. Von diesem Zeitpunkt an blieb auch das Holtriemer Land auf Gedeih und Verderb mit den Geschicken des preußischen Staates verbunden.

1972 wurde auf freiwilliger Basis die Samtgemeinde Holtriem gebildet, wobei der Samtgemeinde gegenüber einer Einheitsgemeinde der Vorrang gegeben wurde, um den Mitgliedsgemeinden einen Rest an kommunaler Eigenständigkeit zu belassen. Vorrangig wurde die Samtgemeinde Holtriem jedoch gebildet, um größere gemeindliche Aufgaben durch eine größere Finanzkraft und eine hauptamtliche Verwaltung lösen zu können. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt die Richtigkeit der damaligen Überlegung.

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